Mein Bewerbungsgespräch bei: Norma

Nach erfolgreichem Abschluss meines Wirtschaftsingenieur-Studiums entschied ich mich für den Handel. An dieser Branche gefiel mir von Anfang an, dass sie vielseitig ist: Man hat viele Verantwortungsgebiete, hat mit Kunden, Personal und Ware zu tun und steht täglich vor neuen Herausforderungen. Allerdings fehlten mir in meiner ersten Anstellung Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, und daher beschloss ich, mich bei Norma auf eine Stelle als Bereichsleiter zu bewerben. Von Daniel Salzmann

Profildaten

Name: Daniel Salzmann Geburtsjahr: 1986 Hochschulabschluss als: Diplom-Wirtschaftsingenieur – Unternehmenssteuerung und Controlling Warum Norma? Schnelle Übernahme von Verantwortung Bewerbung als: Bereichsleiter Tag des Vorstellungsgespräches: 1. August 2012 Tag des Antritts der Stelle: 1. Dezember 2012
Der erste Schritt war mit dem Absenden des Online-Formulars gemacht. Bereits zwei Tage später hatte ich Antwort aus der Niederlassung Eutingen im Gäu, mit der Bitte, meine vollständigen Bewerbungsunterlagen per E-Mail einzureichen. Ein paar Tage nach Absenden meiner Unterlagen erhielt ich per E-Mail die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Am 1. August war es soweit. Wie wahrscheinlich jeder Bewerber machte ich mich mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch auf den Weg. Als ich in der Niederlassung angekommen war nahm mich der Niederlassungsleiter herzlich in Empfang. Er bat mich zunächst, einen Bewerbungsbogen auszufüllen. In dem darauf folgenden Vorstellungsgespräch ging es zunächst um mich, meinen Lebenslauf und meine Motivation. Im Anschluss erfuhr ich sehr viel über das Unternehmen und meine spätere Tätigkeit. An beispielhaften Fällen wurden zusätzlich meine Entscheidungsfähigkeit und meine Kreativität in der Lösungsfindung ermittelt. Im September bekam ich dann die Einladung zu einem Schnuppertag bei einem erfahrenen Bereichsleiter, um noch mehr Einblick in die Arbeitsvorgänge zu bekommen. Dem Schnuppertag folgte die Einladung zu einem zweiten Vorstellungsgespräch bei einem Verkaufsleiter. Wir sprachen zunächst über meinen Lebenslauf. Danach stellte er mir ein paar Fragen zu meinem Schnuppertag, und ich hatte ebenfalls Gelegenheit, offene Fragen zu klären. Meine Freude war riesig, als ich ein paar Tage nach dem zweiten Gespräch eine E-Mail bekam: Begrüßt wurde ich mit „Herzlich willkommen im Norma-Team“, und ein Termin zur Vertragsunterzeichnung wurde mir vorgeschlagen. Seit Dezember arbeite ich in der Position des sogenannten Bereichsleiter- Anwärters, und meine Aufgabenfelder werden wöchentlich erweitert. Zuerst wurde ich in der Filiale eingearbeitet, habe Kassieren gelernt und Ware eingeräumt. Anschließend folgte die Filialleitervertretungszeit: Ich gebe Bestellungen auf, erstelle Arbeitspläne und führe eine ganze Filiale in Eigenverantwortung. Im Anschluss daran wird es in die Bereichsleitereinarbeitung gehen. Zum Schluss kommt die Bereichsleitervertretung, in dieser Zeit verantwortet man fünf bis sieben Filialen – auf diese Herausforderung freue ich mich jetzt schon.

Interview mit Juergen Boos

Für Verlagsmanager, aber auch für Geschäftsentwickler aus der Informations- und Kommunikationstechnologie ist die Frankfurter Buchmesse ein Pflichttermin: Hier vernetzt man sich, hier entstehen neue Geschäftsmodelle und Kooperationen. Juergen Boos ist seit 2005 Direktor der Buchmesse. Der 52-jährige gelernte BWLer spricht über das sich wandelnde Geschäft mit Inhalten und über die Aussicht, dass Bestseller bald planbar sein könnten. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Juergen Boos, geboren 1961 in Lörrach, studierte nach seiner Ausbildung zum Verlagsbuchhändler Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. Er arbeitete einige Jahre als Verkaufsleiter bei der Droemerschen Verlagsanstalt, im Literarischen Verlag, im Carl Hanser Verlag und im Wissenschaftsverlag Springer in Berlin, wo er anschließend auch als Leiter International Sales tätig war. 1997 wechselte Boos als Bereichsleiter Marketing/Sales/Distribution zum Verlag Wiley-VCH in Weinheim. Seit April 2005 ist er Direktor der Frankfurter Buchmesse und seit Mai 2005 alleiniger Geschäftsführer.
Herr Boos, der Buchmarkt befindet sich seit einigen Jahren im Umbruch. Wo sind die Veränderungen besonders bahnbrechend? Über Jahrhunderte definierte sich die Buchbranche über ihr Medium – das gedruckte Buch. Seit einigen Jahren erst gibt es E-Reader, Smartphones, Tablets. Damit werden digitale und multimediale Inhalte erstmals für ein Massenpublikum interessant. Das bedeutet, dass sich auch die Buchbranche in alle Richtungen öffnet. Hin zur Film-, Spiele- und Musikbranche. Aber auch hin zu den Branchen der Informations- und Telekommunikationstechnologie. Sehen Sie das als Chance oder Bedrohung? Ich bevorzuge Ersteres. Jede Kreativbranche, aber auch die IT- und Kommunikationsbranchen sind auf gute Stoffe, auf hervorragend aufbereitete Inhalte angewiesen. Und genau diese Geschichten sind gerade in der Buchbranche zu finden. Mit welchen konkreten Fragen beschäftigen sich junge Verlagsmanager heute? Wie liest man in Zukunft? Wie und wo erwirbt der Kunde zukünftig seine Bücher, seine E-Bücher, seine Inhalte? Wie greifen Online-Handel und lokale Präsenz des Buchhandels ineinander? Welche neuen Services wird es rund um die neuen multimedialen Inhalte geben? Und welche Kompetenzen benötigt man, um Antworten auf diese Fragen zu finden? Die inhaltliche Expertise alleine reicht nicht mehr, gefragt sind auch Fähigkeiten im Business Development und im technologischen Bereich. Aber es geht auch um Kreativität, denn die Geschichte der Buchbranche zeigt, dass Verlage mit kreativen Köpfen seit Jahrhunderten in der Gunst der Leser weit vorne liegen. Und das wird auch so bleiben. Die Frankfurter Buchmesse ist seit vielen Jahren einer der weltweit größten Impulsgeber der Branche. Worauf kommt es an, damit es dabei bleibt? Wir setzen als Buchmesse schon seit mehreren Jahren auf den Austausch mit anderen Kreativbranchen, weil es nicht nur darum geht, was wir voneinander lernen können, sondern auch darum, was wir gemeinsam machen können. Das Internet bringt Branchen zusammen: Buch, Film und Spiele können in Gestalt von multimedialen Produkten zusammenwachsen. Es entstehen neue Kooperationen, angefangen vom Produkt bis hin zum Vertrieb. Astrid Lindgren hat einmal gesagt: „Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen.“ Welche Bücher haben Sie als Erstleser genossen? Und was haben Sie aus diesen Büchern für Ihren Karriereweg mitgenommen? Mein Onkel hatte eine Buchhandlung, da hatte ich natürlich theoretisch Lesestoff ohne Ende. Aber die Bücher, die mich interessierten – also „Die Fünf Freunde“ oder „Burg Schreckenstein“, viel mehr gab es damals für Jungs gar nicht – waren gar nicht im Sortiment vertreten, da mein Onkel sie als zu populär empfand. Mit dieser Meinung war er übrigens nicht allein, so dachten damals viele Erwachsene. Was ich davon auf meinen Karriereweg mitgenommen habe, ist: Bücher sollten zugänglich sein. Es sollte keinen geben, der sich vor sie hinstellt und sagt: „Das ist gut, und das ist schlecht – das darfst du lesen, und das nicht.“ Insofern empfinde ich es heute als großen Fortschritt, dass auch Jungs neben den „Fünf Freunden“ eine riesige Auswahl haben, von John Green bis hin zu „Gregs Tagebuch“. Die Buchmesse ist für Sie ohne Zweifel der berufliche Höhepunkt des Jahres. Was machen Sie in den ersten vier Wochen nach der Buchmesse: Urlaub oder konzentrierte Nachbereitung? Ich will jetzt nicht zu langweilig wirken, aber tatsächlich gilt: Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse. Bis November dieses Jahres sollte die grundsätzliche Planung für 2014 stehen. Ich und mein Team haben allerdings direkt nach der Messe drei Tage frei – und in dieser Zeit mache ich dann wirklich: nichts. Was ist Ihre Methode, um an den Tagen der Buchmesse, wenn Sie dauernd in Beschlag genommen werden, nicht schlappzumachen? Eine spezielle Methode habe ich nicht. Ich mache es eher wie alle Buchmesse- Besucher: Bloß nicht das Adrenalin absacken lassen! Die Gespräche und Begegnungen wirken auf mich immer noch berauschend, und dieses Buchmesse-Feeling trägt mich durch die fünf Tage. Sie waren vor Ihrer jetzigen Position Verkaufsleiter in diversen Verlagshäusern. Was ist im Vergleich zu anderen Waren und Gütern das Besondere am Produkt Buch? Für mich sind das die Menschen, die hinter dem Produkt Buch stecken: Also die Autoren, Lektoren, Illustratoren, Übersetzer, Rechtehändler, Buchhändler – und auch die Entwickler von Geschäftsmodellen und die „Techies“. Diese Menschen sind es auch, die dieses spezielle Buchmesse-Feeling verbreiten: Begeisterung, Neugierde, Offenheit und Innovationskraft. Bücher sind eigentlich kondensierte Gedanken, Erfahrungen und Gefühle – und es ist für mich auch heute noch sehr spannend, mit diesem Produkt und seinen Machern zu arbeiten. Immer wieder hört man, es gebe keine Geheimformel für einen Bestseller. Wir können das nicht recht glauben. Okay, ich verrate Ihnen die Geheimformel, aber Sie dürfen sie niemandem weitersagen (lacht). Dann hätte ich meinen Job als Journalist verfehlt … Im Ernst: Es gibt sie tatsächlich nicht, diese Geheimformel. Oder vielmehr: noch nicht. Denn wenn man sich anschaut, dass die Marktforschung jetzt live am Leser stattfinden kann, erhöht sich die Chance auf so eine Formel doch erheblich: Es gibt Internet- Plattformen, auf denen Bücher von Lesern bewertet werden, noch bevor sie zu Ende geschrieben wurden. Die „Crowd“, also die Leser, übernimmt die Rolle von Testlesern. Gleichzeitig zeichnen die elektronischen Lesegeräte auf, an welcher Stelle im Buch der Leser abbricht, und übermitteln diese Daten an die Hersteller dieser Geräte. Die Entscheidung darüber, wie ein Buch geschrieben ist, könnte in Zukunft also eine aus dem Marketing gesteuerte Entscheidung werden. So weit sind wir noch nicht – und die Frage ist auch, ob wir das überhaupt wollen. Kreativität sollte einen eigenen Freiraum haben, abseits von Marketingzielen.

Zum Unternehmen

Mit mehr als 7400 Ausstellern aus über 100 Ländern, rund 300.000 Besuchern, über 3200 Veranstaltungen und rund 9000 anwesenden akkreditierten Journalisten ist die Frankfurter Buchmesse die weltgrößte Fachmesse für das Publishing sowie der wichtigste branchenübergreifende Treffpunkt für Akteure aus der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie den Kreativbranchen Buch, Film und Spiele. Die Ausstellungs- und Messe GmbH (AuM) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Organisation hinter der Frankfurter Buchmesse. Sie ist eine Tochtergesellschaft des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und richtet die Frankfurter Buchmesse seit 1949 aus. Jedes Jahr gibt es ein Gastland, das einen thematischen Schwerpunkt bildet. 2013 ist Brasilien dieser Ehrengast. www.buchmesse.de Blog: blog.buchmesse.de

„Am Feierabend gemeinsam aktiv“

Lisa Macher ist Berlinerin. Heute arbeitet sie in einem Dorf mit Kirche, Freibad und ein paar Häusern. Ein Kulturschock? Nicht, wenn man wie die Referentin für Organisationsentwicklung für ein Unternehmen wie Vaude tätig ist, das Berg- und Outdoor-Sportler ausrüstet. Warum die Nähe zu Bodensee und Alpen dann zum Vorteil wird, erklärt die 30-Jährige im Interview. Das Interview führte André Boße.

Zur Person

Lisa Macher studierte von 2002 bis 2008 Verwaltungswissenschaft in Konstanz. Ein Studienjahr verbrachte sie an der Universität Madrid. Nach Praktika in den Medien und im Personalbereich begann sie ihre Karriere in der Organisationsentwicklung des Deutschlandradios in Berlin. Von der Millionenstadt zog es sie im März 2012 nach Tettnang, wo sie beim Outdoor- und Bergsportausrüster Vaude als Referentin für Organisationsentwicklung tätig ist.
Frau Macher, vielen wird die Gemeinde Tettnang, in der Ihr Unternehmen zu Hause ist, kein Begriff sein. Können Sie das regionale Umfeld kurz beschreiben? Tettnang liegt in Oberschwaben, rund zehn Kilometer nördlich vom Bodensee. Die Gegend ist ziemlich ländlich geprägt, die beiden größten Städte hier in der Nähe sind Ravensburg und Friedrichshafen – beide haben jeweils weniger als 60.000 Einwohner. Das Unternehmen selbst ist in Obereisenbach zu Hause, einem kleinen Dorf bei Tettnang. Dort gibt es eine Kirche, ein Freibad, ein paar Wohnhäuser – und unser Vaude-Café mit dazugehörigem Outlet. Kirche, Freibad und ein paar Häuser – das klingt nach echter Provinz. Wobei Ihr Unternehmen das Freibad selbst vor der Schließung retten musste. Leidet Ihr Unternehmen unter einem Standortnachteil? Man kann unseren ländlichen Standort als Nachteil bezeichnen, er hat für uns aber genauso Vorteile. Vaude ist ein Outdoor-Unternehmen, fast alle unsere Mitarbeiter sind selbst sportbegeistert und verbringen viel Zeit draußen in der Natur. Für Kletterer, Wanderer, Radfahrer und viele andere Sportler ist diese Gegend daher sehr reizvoll, zumal die Alpen und der Bodensee quasi vor der Haustür liegen. Und wir tun auch viel, um künftige Mitarbeiter von unseren Reizen und denen der Region zu überzeugen. Wir unterstützen sie dabei, passende Freizeitangebote zu finden und zu nutzen. Zudem bieten wir in unserem eigenen Kinderhaus die Betreuung des Nachwuchses an. Können Einsteiger bei Ihnen punkten, wenn Sie sich mit dem naturbezogenen Leben identifizieren – und nicht so sehr mit urbanem Leben? Viele unserer Mitarbeiter teilen tatsächlich ihre Outdoor-Begeisterung miteinander, und besonders wichtig wird diese Vorliebe im Produktbereich. Wer selbst noch nie in den Bergen unterwegs war, dem fällt es schwer, einen Alpinrucksack zu entwickeln. Auch Fahrradkleidung testet man am besten selbst, indem man mit Rennrad oder Mountainbike durch die Gegend fährt. Bei uns ist Outdoor nicht nur ein Begriff oder eine Geschäftsidee, sondern wird von fast allen Mitarbeitern als Hobby gelebt. Ich glaube, nur wenige Unternehmen können eine so unmittelbare Identifikation mit dem Thema bieten wie wir. Prägt Ihre Heimat im südlichsten Zipfel des Landes das Miteinander im Unternehmen? Ich glaube absolut, dass die Heimat eines Unternehmens dessen Kultur mitbestimmt. In großen Städten gehen die Mitarbeiter meist nach der Arbeit auseinander, da sie in der ganzen Stadt verteilt wohnen und eigene, geschlossene Freundeskreise haben. Ich bin Berlinerin und kenne das aus eigener Erfahrung. Wir sind ein sehr junges Unternehmen, unser Altersschnitt liegt bei 37 Jahren. Und bei uns unternimmt man nach der Arbeit oft gemeinsam etwas. Viele sind sehr aktiv und gehen am Feierabend noch gemeinsam klettern, laufen oder Rad fahren. Die Atmosphäre ist einfach familiärer. Umweltschutz und Verbundenheit mit den Alpen. Ist es einfacher, diese Aspekte an Nachwuchskräfte weiterzugeben, wenn man die atemberaubende Natur direkt vor der Haustür hat? Als Outdoor-Unternehmen und Bergsportausrüster wären wir unglaubwürdig, wenn die eigenen Mitarbeiter die Berge nur sporadisch zu sehen bekämen. Wir haben unsere Wurzeln im Bergsport und sind fest mit der Region verwachsen. Ich denke, man kann nur dann als wertebasiertes Unternehmen auftreten und auch als solches wahrgenommen werden, wenn die Werte im Unternehmen auch tatsächlich gelebt werden. Es ist nicht schwer, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, in die Berge zu gehen, um Produkte auszuprobieren, wenn man vom Büro aus schon die schneebedeckten Gipfel sieht.

Gesamtpakete gegen Großstadtglanz

Marken mit Weltruf, familiengeführte Traditionsunternehmen und international erfolgreiche Spezialisten: In der deutschen Provinz findet sich eine breite Palette an Unternehmen mit spannenden Einstiegsmöglichkeiten. Angesprochen fühlen sich Nachwuchskräfte, denen eine solide Entwicklung wichtiger ist als die Überholspur. Von André Boße

Den Unterschied zwischen Metropolregion und Provinz merkt man schon morgens, bevor man das erste Mal aus dem Fenster schaut. Der Radiowecker geht an, und wer im Ruhrgebiet oder der Region Rhein-Neckar wohnt, in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln, der hört erst einmal von Staus und stockendem Verkehr ohne Ende. Manch einer, der mit dem Auto zur Arbeit fährt, hat da schon keine Lust mehr. Wacht man dagegen auf dem Land auf, gibt es beim ländlichen Sender morgens häufig schönere Themen. Und wenn man sich auf den Weg zur Arbeit macht, wird man mit Staus wahrscheinlich nichts zu tun haben.
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Umsatzstarke Familien-unternehmen

Neckarsulm, Ingelheim, Künzelsau, Iphofen – der Blick auf die Rangliste der umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen ist immer auch eine kleine Reise durch die ländlichen Regionen Deutschlands. Das Wirtschaftsblatt stellte eine Rangliste der „Top 500 Familienunternehmen“ auf, und das Ranking zeigt: Familienunternehmen sind zumeist in der Provinz zu Hause, erzielen aber beachtliche Umsätze – allen voran die Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland) mit Sitz in Neckarsulm. Wer sich also für Karrieren in Unternehmen interessiert, die teilweise bereits über mehrere Generationen hinweg von einer Familie geführt werden, findet die Arbeitgeber häufig in der Provinz. Zum Ranking
Die entspannte Verkehrssituation ist ein echter Pluspunkt für die vielen erfolgreichen Unternehmen, die in der deutschen Provinz ihr Zuhause haben. In Deutschland pulsiert die Wirtschaft nicht nur in den großen Städten und Metropolregionen. Sehr viele starke Unternehmen und interessante Arbeitgeber finden sich abseits der Städte. Experten halten die Stärke der Provinz für einen entscheidenden Trumpf des Wirtschaftsstandorts Deutschland: Während sich zum Beispiel in Frankreich oder England die Firmen nur in den Zentren finden, ist die Bundesrepublik zurecht stolz auf die vielen erfolgreichen Unternehmen auf dem Land. Darunter finden sich Weltmarken, überraschende Weltmarktführer, traditionsreiche Familienunternehmen und Vorzeigearbeitgeber in Sachen Familienfreundlichkeit. Weltmarke aus der Vulkaneifel Zum Beispiel Gerolsteiner. Das Unternehmen ist nicht nur Anbieter der meistgekauften Mineralwassermarke auf dem deutschen Markt, sondern auch größter Mineralwasser-Exporteur Deutschlands, dessen Erfrischungen sogar in Japan und den USA in den Kühlschränken stehen. Seinen Sitz hat das Unternehmen in dem Städtchen, das dem Mineralwasser seinen Namen gibt, in Gerolstein: knapp 8000 Einwohner, gelegen im Landkreis Vulkaneifel zwischen Koblenz und der belgischen Grenze. Frankfurter und Kölner kennen die Gegend als Urlaubsregion. Karriere machen lässt sich hier aber auch: Gerolsteiner ist Marktführer in einer für Managertalente interessanten Branche und fährt auf solidem Wachstumskurs. Ein begehrter Arbeitgeber also. Aber eben keiner, der mit den Möglichkeiten einer nahegelegenen Großstadt locken kann. „Weil wir uns nicht auf den Glanz einer Großstadt verlassen können, müssen wir potenzielle Mitarbeiter vom Gesamtpaket überzeugen“, sagt Personalleiter Dirk Hoffmann. Dazu zählt nicht nur die gute Luft der Region Vulkaneifel: Das Unternehmen weiß, dass es seine Mitarbeiter besonders gut fördern und weiterentwickeln muss. „Die Herausforderung liegt darin, den leistungsbereiten und gut qualifizierten Bewerbern zu zeigen, dass sie bei uns viele Chancen ergreifen können“, so Hoffmann. Das Unternehmen will damit punkten, den Nachwuchskräften ein vielfältiges Aufgabenspektrum und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. „Dabei gilt es, die für uns besten Mitarbeiter zu gewinnen. Das bedeutet, wir suchen nicht die besten Nachwuchskräfte auf dem Papier, sondern Menschen, die in unser Unternehmen passen.“ Unternehmen wie Gerolsteiner wissen also sehr genau, dass man keinen urban geprägten Jungmanager zum Provinzleben verdonnern kann. Wer gleich mehrere Flughäfen in der Nähe benötigt, dazu eine große Auswahl an Multiplex-Kinos, Nachtclubs, Konzerthallen und Museen, der wird in der Vulkaneifel nicht glücklich. „Noch bietet uns der regionale und nationale Arbeitsmarkt ausreichend Potenzial“, sagt Dirk Hoffmann. Dennoch sorgt das Unternehmen vor: Talentierte Mitarbeiter erhalten besondere Förderungen und attraktive Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem nutzt der Arbeitgeber die kurzen Wege und die Nähe zur Heimatgemeinde, um seinen Mitarbeitern einen Mehrwert zu bieten: Es gibt Kooperationen mit lokalen Fitnessstudios, für Kinder von Mitarbeitern entwickelt das Unternehmen ein eigenes Ferienprogramm, diverse Sport- und Freizeitangebote bietet die Natur direkt vor der Haustür. Maßnahmen gegen die Landflucht Gerolsteiner hat also das Thema Employer Branding längst für sich entdeckt. Andere Unternehmen aus ländlichen Regionen tun sich dagegen schwerer, wie Paul Konstantinidis feststellt. Der Experte von der Personalberatung Topos berät unter anderem Unternehmen aus der Region Oberfranken, darunter viele sogenannte Hidden Champions, die in sehr speziellen Bereichen Weltmarktführer sind, jedoch Probleme haben, genügend Nachwuchskräfte zu rekrutieren, um diesen Platz zu verteidigen. „Ich beobachte eine regelrechte Landflucht“, sagt Konstantinidis. „Viele Unternehmen leiden massiv, weil sie nicht genügend qualifizierte Bewerber finden.“ Der Grund dafür ist die magnetische Wirkung der Metropolen auf ambitionierte Nachwuchskräfte: Fast alle High Potentials, die auf dem Land aufgewachsen sind, zieht es im Laufe ihres weiteren Lebenswegs in die Zentren. Dort finden sich die Universitäten, werden Stipendien vergeben, locken die großen Konzerne mit ihren Angeboten. Wenn Konstantinidis Unternehmen aus der Provinz berät, lädt er sie dazu ein, sich im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter selbstbewusster zu präsentieren. Denn verstecken müssen sich die Arbeitgeber aus ländlichen Regionen nicht. „Sie bieten Jobs und Arbeitsumfelder, die sicherlich anders sind als die Konzerne in Metropolen – aber nicht unbedingt schlechter“, sagt Konstantinidis. Da die meisten Unternehmen in der Provinz mittelständisch geprägt sind, bieten sie ihren Mitarbeitern einen engen Kontakt zu den Chefs und breitgefächerte Aufgabenbereiche. „Einsteiger können in solchen Unternehmen interdisziplinärer arbeiten als in den großen Konzernen der Städte und Metropolregionen“, erklärt der Topos-Personalexperte. „Sie finden zudem ein familiäres Umfeld vor sowie eine Unternehmenskultur, die sich stärker an Traditionen orientiert als am finanziellen Wohl von Aktionären.“ Es gibt viele Talente, denen genau solche Jobs am Herzen liegen. Die ihre Laufbahn nicht mit Fokus auf eine steile Karriere angehen wollen, sondern Wert auf andere Dinge legen: auf Gemeinschaft und Übersichtlichkeit, Sinn und einen gesunden Lebensstil. „Solche Leute sind bei guten Unternehmen aus der Provinz bestens aufgehoben“, sagt Konstantinidis. „Zumal, wenn sie bereits an die Familienplanung denken, denn eines ist klar: Für Familien mit Kindern ist das Leben abseits der Ballungszentren besonders lebenswert.“ Dann schlägt auch zu Buche, dass die Mietkosten sowie die Bau- und Immobilienpreise in der Provinz deutlich unter denen in den Städten liegen. Man dürfe sich, so der Berater, aber nicht die Illusion machen, dass das Leben auf dem Land in allen Belangen günstiger ist. „Lebensmittel kosten hier fast genauso viel wie in den Städten“, sagt Konstantinidis, der selber in der oberfränkischen Kleinstadt Kulmbach zu Hause ist. „Zudem kostet es Zeit und Geld, zum Einkaufen oder für Konzert- oder Theaterbesuche in die nächstgelegene Stadt zu fahren.“ Wie erfolgreich es sich abseits der Großstädte arbeiten lässt, zeigt die Wirthwein-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Creglingen hat, gelegen im nord-östlichen Zipfel Baden-Württembergs auf halber Strecke zwischen Würzburg und Heilbronn. „Der ländliche Standort stärkt unser Image und sorgt dafür, dass unseren Unternehmen viel Sympathie entgegengebracht wird“, sagt Frank Wirthwein, Vertriebsvorstand des Unternehmens, das seit seiner Gründung 1949 familiengeführt wird. Die Gruppe produziert mit 19 Unternehmen Kunststoffkomponenten und Spritzgießwerkzeuge für große Branchen wie die Automobil-, Bahn- oder Hausgeräte-Industrie. „Ein Vergleich zeigt: Die Verbundenheit zur Region ist bei unseren Standorten auf dem Land höher als bei unseren Standorten in städtischen Gebieten“, sagt Frank Wirthwein. Für ihn strahlen Unternehmen im ländlichen Raum eine höhere Solidität aus – schließlich können Top- Management und die Führungskräfte nicht anonym bleiben, da sie über einen hohen Bekanntheitsgrad im regionalen Umfeld verfügen. „Als Führungskraft ist man im ländlichen Raum bekannt und steht so jeden Tag für die getroffenen Entscheidungen persönlich ein“, sagt Wirthwein. „Dies bewirkt eine höhere moralische Auseinandersetzung mit Themen und Entscheidungen, weil man sich nicht wegducken kann.“ Kaum eine Rolle spielt der Standort dagegen in den internationalen Geschäftsbeziehungen: Wirthwein verfügt über Produktionsstandorte in Polen, Spanien, China und den USA, ist also ein global aufgestellter Player. „Den Kunden oder Lieferanten in China interessiert, dass wir ein deutsches Unternehmen sind. Wo wir jedoch genau sitzen, ist nebensächlich“, sagt der Vertriebsvorstand. Viel wichtiger sei, dass die Geschäftspartner gut erreichbar sind und die Kommunikation von kurzen Wegen bestimmt wird. Auch die gute zwischenmenschliche Zusammenarbeit sei ein Erfolgsfaktor. „Und die ist in Creglingen genauso gegeben wie in Metropolregionen – wenn nicht sogar besser, weil die Verbundenheit der Mitarbeiter zu ihrem Arbeitgeber im ländlichen Raum häufig höher ist.“

Infos, Kontakte und offene Stellen

karriereführer naturwissenschaften 2013.2014

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Weiß in die Zukunft – Vormarsch der industriellen Biotechnologie

Weiße Biotechnologie. Viele Jahre lang setzte die Industrie auf Erdöl – um wichtige Dinge zu produzieren und Mobilität zu gewährleisten. Doch die Wachablösung ist schon im Gange: Statt auf dreckiges und teures Öl setzt die Industrie auf saubere und nachhaltige Biotechnologie – auch Weiße Biotechnologie genannt. Für Naturwissenschaftler ergeben sich hervorragende Chancen. Sie müssen nur im Blick haben, wie wichtig der Industrie die Wirtschaftlichkeit neuer Verfahren ist. Abenteuer mit Sinn In der Weißen Biotechnologie sind Nachwuchskräfte auf neuen Pfaden unterwegs. „Biotreibstoffen gehört die Zukunft“ Interview mit Dr. Gunter Festel, Gründer des Investmentunternehmen Festel Capital.

Top-Manager

Interview mit Dr. Dahai Yu Im Interview: Vorstandsmitglied der Evonik Industries.

Projekt

Bakterien beim Plaudern stören Kopfzeilen: Thien Ngoc Tran Nguyen, FameLab-Gewinnerin 2013. Chemiepreis mit Reifezeugnis Der Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie. „In der Biologie liegt die Hoffnung“ Interview mit Dr. Andreas Weber, Biologe, Philosoph und Publizist.

Einsteigen

Jung und erfolgreich bei: Daiichi Sankyo Stimmt die Chemie? Dr. Meike Roth ist Chemikerin und beschäftigt sich mit Klebstoffen im Lebensmittelbereich. E-Mail für Dich Naturwissenschaftler in der IT-Beratung.

Aufsteigen

Aufgestiegen zur Aktuarin Annelene Seibert arbeitet als Mathematikerin bei Munich Re.

Help!

Zurück ins Leben Back to Life e. V. in Nepal/Indien.

Handzeichen

Dr. Robert Schleip, Humanbiologe, Leiter des Fascia Research Projects an der Uni Ulm und Gründer der Somatics Academy

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ALTANA AG R+V Versicherung Sanofi -Aventis Deutschland GmbH Siemens Management Consulting (SMC) Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG

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Der Entrepreneurs Club Horizons in Molecular Biology IQB Career Services AG jobvector/Capsid GmbH Jobware Online-Service GmbH konaktiva Dortmund GbR OFW – Organisationsforum Wirtschaftskongress

Komplette Ausgabe

E-Paper karriereführer naturwissenschaften 2013.2014 Download karriereführer naturwissenschaften 2013.2014 (ca. 17 MB) karriereführer naturwissenschaften 2013.2014 in der Kiosk-App für das iPad karriereführer naturwissenschaften 2013.2014 in der Kiosk-App für Android

Glückliche Zeiten!

In unserer Summer-School zu „Glück und Sinn“ haben sich in den vergangenen Sommerwochen einige neue Mosaiksteine in mein Bild von einem guten Leben eingefügt. Es ist noch lange nicht vollständig, dieses Bild, und womöglich waren ja auch für den Einen oder die Andere von euch ein paar anregende Facetten dabei. Dass Glück erlernbar ist beispielsweise, wie die Psychologin Dr. Eva Wlodarek erklärt, und wir die äußeren Umstände, die sich scheinbar wie zufällig ergeben, besser nutzen können, indem wir ihnen offen entgegentreten, statt uns verhuscht zurückzuziehen und auf die nächste, bessere Gelegenheit zu warten. Oder dass wir im Geben größeres Glück empfinden können als im Nehmen, wie Bruder Paulus der gegenwärtigen Weltsicht des Habenwollens entgegnet. Und dass Philosophie alles andere als eine lebensferne Betrachtungsweise ist, wie der Philosoph Dr. Christoph Quarch belegt, sondern ganz im Gegenteil dabei helfen kann, einen glasklaren Blick auf das eigene Glück zu bekommen. Weiter geht´s also nun mit meinem Blog – die Sommerpause ist vorüber, und weil ich noch so über das gute Leben sinniere, fällt mir die Faire Woche 2013 ins Auge, die heute beginnt. Über 2.000 Aktionen finden bis zum 27. September bundesweit statt, vom fairen Frühstück über Lesungen bis zur „Fair“kostung fair gehandelter Produkte. Auf der Webseite gibt es eine interaktive Übersicht des Was Wann Wo mit der Möglichkeit, eigene Veranstaltungen einzutragen. Veranstalter ist das Forum fairer Handel mit seinem Anliegen gerechterer Handelsbedingungen. Ich werde auch dabei sein und am ersten Tag des guten Lebens, dem Kölner Sonntag der Nachhaltigkeit, durch die verkehrsberuhigten Straßen in Köln-Ehrenfeld flanieren. Leere, autofreie Straßen und Plätze sollen Raum schaffen für ein gemeinsames Frühstück mit Nachbarn, lustigen und anregenden Kunstaktionen, Konzerten u.v.m. rund um das diesjährige Schwerpunktthema Mobilität. Ich bin neugierig entspannt und wünsche euch glückliche Zeiten!

Platinion GmbH

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Unternehmensgeschichte
Die Platinion GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Boston Consulting Group (BCG) und ergänzt die Strategiekompetenz der Muttergesellschaft durch die Entwicklung und Implementierung geschäftskritischer IT-Architekturen und digitaler Lösungen bei besonders anspruchsvollen Projekten. Seit der Firmengründung im Jahr 2000 können wir ein stetiges Wachstum verzeichnen und beschäftigt mittlerweile mehr als 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in mehr als 40 Städten weltweit.

Anzahl der Standorte in Deutschland
Köln, München, Frankfurt/Main, Hamburg, Berlin

Anzahl der Standorte weltweit
+40 Standorte

Bedarf an HochschulabsolventInnen
Laufend

Anforderungsprofil

Ein überdurchschnittlich abgeschlossenes (Fach-)Hochschulstudium oder duales Studium in (Wirtschafts-)Informatik oder verwandtem Bereich; umfangreiche Praxiserfahrung z.B. aus der IT-Beratung, IT-Großprojekten oder der unternehmensnahen Softwareentwicklung; unternehmerisches Denken; Kommunikationsgeschick und intellektuelle Beweglichkeit; Reisebereitschaft; hervorragende Englischkenntnisse in Wort und Schrift; umfangreiche IT-Kenntnisse

Mitarbeiterförderung
Um jedem eine gute Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Entwicklung zu ermöglichen, erfahren neue Kolleginnen und Kollegen ein umfangreiches Onboarding mit fachlichen und persönlichkeitsbezogenen Inhalten. Darüber hinaus werden individuelle Weiterbildungsmaßnahmen zur fachlichen und persönlichen Entwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig angeboten.

Karriereaussichten
Über die attraktiven Aufstiegschancen bei uns informieren wir Sie gerne in einem persönlichen Gespräch oder unter karriere.bcgplatinion.de

Einstiegsprogramme
Direkteinstieg als IT Architect, IT Consultant oder in unserem Design & Engineering Team

Auslandstätigkeit
Weltweite Einsätze

Angebote für StudentInnen
Praktika in diversen Bereichen

Logo Platinion GmbH – A company of The Boston Consulting Group

Ansprechpartner
Mike Stertz

Anschrift
Im Mediapark 5c
50670 Köln

Fon
0221 5895 8324

Fax
0221 589 2051

E-Mail
karriere@bcgplatinion.com

Internet
bcgplatinion.com
karriere.bcgplatinion.de

Am Ende des Tages glücklich sein

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Dr. Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Mit zahlreichen Buchveröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren bringt er die Philosophie aus den Denkerstuben in den Alltag. Philosophie sei Lebenskunst, sagt Quarch, und empfiehlt alte und neue Denker als Inspiration für ein gelungendes Leben. Das Gespräch führte Stefan Trees.

Jetzt mal im Ernst, Herr Quarch: Was kann in alten Büchern schon Wissenswertes über das Glück von heute stehen? Viele Menschen heute sind unglücklich, weil sie eine unrealistische oder verzerrte Vorstellung davon haben, was Glück ist. Die alten Bücher können helfen, einen ursprünglichen, klaren Blick für das Glück zu erhalten. Glücksforschung beginnt demnach bereits in der Antike? Unbedingt. Egal ob bei Platon, Aristoteles oder Epikur – die ganze antike Philosophie kreist um die Frage nach dem Glück. Wobei Glück aber nun gerade nicht neuzeitlich als maximale, nachhaltige Freude gedeutet wird, sondern als die Qualität eines gelingenden, guten Lebens: als Stimmigkeit und Harmonie von Körper, Geist und Seele.  „Glück“ ist folglich das Gleiche wie „Lebenskunst“? Glück meint diejenige Qualität des Lebens, um der es einer Lebenskunst zu tun ist: eine Erfahrung intensiver, tiefer Lebendigkeit – eine Erfahrung des unbedingten und vorbehaltlosen „Ja“ zum Leben. Lebenskunst versteht sich als eine Art Einübung in diese Qualität – als die Kunst, sich in eine gute Stimmung zu versetzen, so dass ES STIMMT. Was stellt die Philosophie der Antike dem Glück zur Seite – das Gefühl oder die Vernunft? Sowohl als auch: Es geht um die Harmonie beider – eine ausgewogene, stimmige Balance. Glück ist, wenn unsere Gefühle und unsere Gedanken im Einklang sind; wenn wir uns nicht in interne Konflikte verstricken, sondern so fühlen und so denken, wie es für uns passt. Und die moderne Philosophie? Die zeitgenössische Lebenskunstphilosophie lehrt, ein jeder sei seines Glückes Schmied. Wilhelm Schmid etwa, als führender Kopf dieser Disziplin, empfiehlt seinem Publikum: „Gestalte dein Leben so, dass es bejahenswert ist“. Das ist gut gesagt, aber nicht immer leicht getan. Mir scheint, es kommt darauf an, in einer Art fortdauernder Konversation mit dem Leben zu sein: uns dem Anspruch des Lebens in all seiner Unverfügbarkeit zu stellen, um dann verantwortliche Antworten darauf zu finden. Wo wir mit dem Leben, den Menschen, den Mitwesen in einem lebendigen Kommunikationsfluss stehen und uns von ihnen berühren lassen, mag das Glück sich ereignen. Warum sollte ich auf meinem Weg, das Wesen des Glücks zu erkunden, auf keinen Fall die Erkenntnisse der Philosophie schmähen? Weil Sie es drehen und wenden können, wie Sie wollen: Sie sind der Philosophie längst auf den Leim gegangen: Denn was Sie sich unter Glück vorstellen, wo Sie es suchen, wie Sie es beschreiben – all das ist das Produkt philosophischer Diskurse der Vergangenheit. Diese haben sich aber zuweilen vom Glück entfernt. Deshalb ist es lohnend, sie zu kennen, seine eigenen Glücksvorstellungen zu durchleuchten und sich im philosophischen Gespräch darüber zu verständigen, welche Vorstellung vom Glück uns am Ende des Tages wirklich glücklich macht.

Vom Teilen ist noch keiner arm geworden

Bruder Paulus ist Leiter der Brüdergemeinschaft der Kapuziner in Frankfurt am Main, Liebfrauen, und des Franziskustreffs, einem Frühstücksraum für Obdachlose und Arme. Außergewöhnlich ist seine Medienpräsenz: Als Gastgeber der Sendung „So gesehen – Talk am Sonntag“ und des „So gesehen“ kirchlichen Kommentars auf SAT1, als Kolumnenschreiber, Radiomacher und in zahlreichen Auftritten als Talkshow-Gast spricht er leidenschaftlich über Fragen des Glaubens und ethischen Handelns. Das Gespräch führte Stefan Trees.

Sie hatten kürzlich Geburtstag, Bruder Paulus, herzlichen Glückwunsch nachträglich. Danke schön. Als Kapuzinermönch gehören Sie einem Bettelorden an, weltlicher Besitz ist für Sie kein Thema. Welches Glück haben Ihre Mitbrüder Ihnen zum Geburtstag geschenkt? Das Glück der unabdingbaren brüderlichen Gemeinschaft, zu der ich gehöre. Die Brüder haben Gott versprochen, brüderlich zu leben und auch so einen Bruder wie mich anzunehmen. Mein größtes Glück ist daher wie das größte Glück aller Menschen: Ich fühle mich bis in den Tod hinein geliebt, und selbst der Tod kann diese Liebe nicht auslöschen. Das ist ein wunderschönes Leben. Wenn Sie von geliebt sein sprechen: Reden Sie von der Beziehung zu Ihren Mitbrüdern oder zu Gott? Von beidem, das gehört ja zusammen. Wir leben ja hier als Brüder zusammen, die sich nicht gegenseitig ausgesucht haben. Wir werden immer wieder neu zusammengewürfelt. Das ist eine schöne Herausforderung mit diesem Team, wie man wirtschaftlich sagen würde, zu leben, das sich nicht ausgesucht hat, dabei aber zu wissen, dass Gott uns ausgesucht hat. Er ist sozusagen der Geschäftsführer. Die Mitarbeiter eines Unternehmens haben sich auch nicht gegenseitig ausgesucht – wie kann denn ohne den spirituellen Hintergrund einer Klostergemeinschaft ein Teamleben funktionieren, in dem sich die Menschen glücklich fühlen? Indem wir uns vom Maschinendenken entfernen, das davon ausgeht, dass Menschen Roboter sind, die zu funktionieren haben. Stattdessen erkennen wir im Team, dass da Menschen neben uns sind, die sich nach Glück und Erfüllung, nach Frieden und einem guten Miteinander sehnen. Diesen Menschen und ihren Fähigkeiten sollten wir dienen und uns wünschen, dass sie auch uns dienen. Wie kann das im Unternehmensalltag aussehen? Warum fängt nicht jede Arbeitswoche in den Unternehmen mit einer halben Stunde an, zu der sich alle Mitarbeiter im Foyer treffen und diejenigen, die im Unternehmen Verantwortung haben, sagen, was sie im Herzen bewegt? Und dann laden sie alle anderen zu fünf Minuten der Stille ein, in der alle ihr Herz öffnen und sagen: Dies ist jetzt unsere Firma und unser gemeinsamer Weg. Ich weiß, das hört sich jetzt sehr amerikanisch oder japanisch an oder nach Klostertradition, wo jeder Tag mit einem rituellen Sich-auf-den-Tag-einstellen beginnt. „Befreit den Menschen aus der Geisterfahrt durch Diagramme und den Rechenoperationen im Gefängnis der Excel-Tabelle“, haben Sie mal gesagt. Machen wir uns doch klar: Alles das ist nicht Gott. Die Bilanz ist nicht Gott. Auch der Chef ist nicht Gott und der lästige Mitarbeiter auch nicht. Diese Menschen haben alle eine gemeinsame Berufung am Aufbau dieser Welt zu arbeiten. Und diese Motivation erweist sich dann als besonders stark, wenn man auch im Team mal sagt: Nein, das sollten wir nicht tun, das schadet anderen Menschen, was wir hier entwickeln. „Aufbau dieser Welt“ ist ein ziemlich großer Bezugsrahmen. Ist ein Mensch, der sich dessen bewusst ist und in diesem handelt, glücklicher? Selbstverständlich, Kleingeisterei ist doch furchtbar. Wer weiß, dass er ein Mitarbeiter ist am großen Menschenwerk, der sieht die Welt doch ganz anders, als einer der glaubt, er sei lediglich Mitarbeiter am Erfolg seiner Firma. Der große Bezugsrahmen hilft mir, dass ich realistisch bleibe. Glückliche Menschen sind Realisten, weil sie sich selbst nicht zu groß und die Welt nicht zu klein denken. Und wer als junger Mensch noch nicht über dieses Selbstbewusstsein verfügt? Der mag morgens in den Spiegel schauen, Gott danken, dass er da ist, und sich erinnern, dass er nicht dazu da ist, die Befehle anderer Menschen auszuführen, sondern, um die Welt kritisch zu betrachten und die eigenen Fähigkeiten einzubringen. Selbstbewusstsein kann man natürlich nicht befehlen. Wenn er aber glauben kann, dass Gott ihn ins Leben gerufen hat, dann hat er eine Autorität über sich, die ihm sehr viel Kraft gibt, den vielen kleinen Autoritäten unseres Lebens mal die Zunge rauszustrecken. Das klingt ermutigend. Das ist es auch. Wann wachen junge Menschen endlich auf und begreifen, dass man ihnen die schönsten Dinge des Lebens dadurch nimmt, dass man ihnen ständig sagt: Ihr müsst viel besitzen, viel genießen und viel erlebt haben? Ich glaube die Chancen stehen ganz gut: Der Generation Y sagt man nach, sehr auf die Work-Life-Balance bedacht zu sein. Diese Generation hat hoffentlich das revolutionäre Potenzial zu merken, dass man nicht glücklich wird durch das was man nimmt, sondern durch das was man gibt. In unserer Gesellschaft, in der Materialismus zur Ideologie geworden ist, zählt jedoch nur das was wir haben. Junge Leute dagegen können vielleicht einen Sport-Schuh nicht mehr anziehen, ohne an die Näherinnen zu denken, die ihn für 20 Cent die Stunde genäht haben. Da habe ich Hoffnung. Braucht eine solche Haltung nicht die Stärkung des Selbst? Stärkung des Selbst braucht eine Hingabe an das Du. Ich werde dadurch selbstbewusster, dass ich meine Arbeitskollegen ermutige, ihnen danke und ein Lächeln in die Welt sende. Dann kommt schon eins zurück – vielleicht nicht sofort … …aber ein Lächeln geht immer. Meine weltkriegserfahrene Oma hat mir als Lebensweisheit mitgegeben: Vom Teilen ist noch keiner arm geworden. http://liebfrauen.net www.bruderpaulus.de

Interview mit Prof. Meinhard Miegel

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(Aus BerufSZiel 1.2013) Ohne Wachstum geht es nicht? Für Professor Dr. Meinhard Miegel ein Irrglaube. Seine Prognose: Die Wirtschaft wird über kurz oder lang stagnieren, wenn nicht sogar schrumpfen. Das müssen für Young Professionals keine schlechten Nachrichten sein: Wer jetzt umdenkt und neue Werte findet, wird vom Wandel profitieren. Interview: André Boße

Herr Professor Miegel, unser Wirtschaftssystem hat viele Jahre lang funktioniert. Gut geführte Unternehmen erzielten zuverlässig Gewinne und boten sichere Karrieren. Warum wird sich das ändern? Weil wir am Ende der historischen Periode stehen, die von permanenter und allgegenwärtiger Expansion gekennzeichnet war. Fast 250 Jahre lang war Wachstum die einzig gültige Antwort auf alle individuellen Wünsche, wirtschaftlichen Ambitionen und sozialen Herausforderungen. Jetzt stehen wir an einem Punkt, an dem wir sehen und spüren, dass es mit der Expansion vorbei ist. Wir wachsen nicht mehr, sondern stagnieren. Wahrscheinlich schrumpfen wir sogar. Warum greifen denn die alten Mechanismen nicht mehr? Warum müssen wir uns wandeln? Die Periode, vor der wir stehen, verlangt nach vollkommen anderen Sicht- und Verhaltensweisen. Wo kein Wachstum ist, müssen wir mit dem auskommen, was wir haben. Klingt logisch, doch noch immer weigern sich viele Individuen und Institutionen, diese Realität zu akzeptieren. Also verschulden sie sich – und versuchen so, weiteres Wachstum zu finanzieren. Dieses Gegensteuern geht jedoch an der Lebenswirklichkeit vorbei. Wer das zu lange macht, dem wird es wie jemandem ergehen, der versucht, eine Rolltreppe, die nach unten führt, hinaufzulaufen. Das ist frustrierend – und das Scheitern wahrscheinlich. Eine Frage, die Young Professionals mit Karriereambitionen besonders interessiert: Warum passiert das ausgerechnet jetzt? Nun ja, ein Auf und Ab ist der Welt immer zu eigen. Es stimmt jedoch, dass die Periode des Wachstums außerordentlich lange gedauert hat. Viele haben sich deshalb daran gewöhnt. Sie können sich gar nichts anderes vorstellen, als stets nach oben zu fahren. Und diese Menschen haben natürlich auch die junge Generation auf Wachstum konditioniert. Dabei sind die Anzeichen für das Ende der Expansion schon lange erkennbar – zumal Wachstum in Europa und den USA seit einigen Jahren ja nur noch dann erzeugt wird, wenn man sich verschuldet, Raubbau an der Natur betreibt oder beides gleichzeitig macht. Um bei ihrem Bild zu bleiben: Rolltreppe abwärts – das klingt für ambitionierte Nachwuchskräfte in Unternehmen nicht gerade motivierend. Nehmen wir ein anderes Bild: Eine permanente Expansion bedeutet doch, dass wir in einem fort einatmen. Jeder Mediziner wird bestätigen: Das geht auf Dauer nicht gut. Jetzt stehen wir vor der Phase des Ausatmens. Und das wird uns guttun. Viele Menschen haben so übersteigerte Vorstellungen von dem, was sie denken, erreichen zu müssen, dass man sagen kann: Entspannt Euch mal – es wird höchste Zeit. Beobachten Sie, dass der jungen Generation das Umdenken leichter fällt? Ist sie prädestiniert, den Wandel der Wirtschaft mit Leben zu füllen? Ein Teil der jungen Generation hat tatsächlich bereits begriffen, dass es nicht immer aufwärts gehen kann – und dass das keine rein negative Entwicklung sein muss. Diese jungen Menschen haben sicherlich einen Vorteil gegenüber ihren Altersgenossen, die noch immer realitätsferne Erwartungen an ihre Einkommen und ihren Status haben. Das soll kein Vorwurf sein, denn die Generation der heute 20- bis 35-Jährigen befindet sich im Spagat: Sie kennt einerseits noch das Zeitalter des Wachstums mit all seinen Vorzügen und Spielregeln, spürt andererseits jedoch, dass da ein Wandel kommt und sie diesem Wandel unterworfen ist. Angenommen, ein Young Professional geht mit dieser Erkenntnis zu seiner Führungskraft. Wird er dann nicht zu hören bekommen, dass das Wachstum auch weiterhin der Selbstzweck eines jeden Unternehmens sein muss? Ich war vor Kurzem Gast in einem Kreis erfolgreicher Unternehmer. Einer von ihnen berichtete von einer Art Unruhe, die ihn befalle, wenn seine Firma in einem Jahr nicht wachse. Und er fragte sich und alle anderen, warum das so sei. „Reicht es nicht, wenn mein Unternehmen gute Umsätze und Gewinne macht, die Arbeitsplätze sicher sowie Mitarbeiter und Kunden zufrieden sind? Warum muss mein Unternehmen dann noch wachsen? Warum kann es nicht bleiben, wie es ist?“ Allein dieser Gedanke hat in dem Kreis für ein kollektives Ausatmen gesorgt. Es ist tatsächlich spürbar, dass immer mehr Unternehmer und Führungskräfte das Dogma des ständigen Wachstums hinterfragen. Natürlich wird es auch weiterhin Unternehmen mit guten Wachstumsraten geben. Aber nur noch auf Kosten anderer: Jedem erfolgreichen Unternehmen wird ein gescheitertes gegenüberstehen. Dass 90 bis 95 Prozent der großen Unternehmen positive Wachstumskennzahlen präsentieren, wird schon bald der Vergangenheit angehören. Was bedeutet das für die Karrieren von Young Professionals? Sie müssen sich darauf einstellen, dass sichere Karrieren, die auf kollektivem Wachstum ganzer Branchen basieren, der Vergangenheit angehören. Zudem wird es andere Dinge geben, die den Erfolg einer Karriere bestimmen werden. Erfolgreich ist beispielsweise auch, wer dazu beiträgt, dass sein Unternehmen zwar nicht mehr, dafür jedoch ressourcen- und umweltschonender produziert. Oder dass die von ihnen geführten Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen und deshalb vielleicht seltener krank sind als der Durchschnitt. Alles das sind Beispiele für das Wachstum der Zukunft. Globale Unternehmen nennen an dieser Stelle die Schwellenländer – also die Regionen auf der Welt, in denen enormes wirtschaftliches Wachstum noch möglich ist. Die international tätigen Unternehmen haben recht: Die globale Entwicklung ist weiterhin expansiv. Wer in China, Brasilien oder Indien Geschäfte macht, handelt in einem Wachstumsmarkt und wird seine Gewinne steigern. Entscheidend ist hier das Wort „noch“, denn viel schneller als gedacht steuern diese Länder auf einen Punkt zu, an dem sie vor den gleichen Herausforderungen stehen werden wie wir Europäer heute. Natürlich glauben einige Manager und Unternehmensberater, dass es anders kommen wird. Dass das Zeitalter der Expansion nicht enden wird, wenn man nur über die richtige Wachstumsstrategie verfügt. Ich kann verstehen, dass viele junge Menschen gerne bei solchen Unternehmen anheuern. Aber eine Gewähr für eine sichere Karriere gibt es auch dort nicht mehr. Woran machen Sie fest, dass der Wandel in einigen der großen Unternehmen bereits angekommen ist? Der Wandel ist ja schon gelebte Wirklichkeit, da muss ich nur an meine eigene Zeit als Young Professional zu Beginn der Siebzigerjahre zurückdenken. Gleitzeit? Nie gehört. Überstunden? Selbstverständlich, aber unbezahlt. Bei der Geburt unseres ersten Kindes wurde meine Bitte, meine Frau und das Neugeborene aufsuchen zu dürfen, selbstverständlich abgelehnt. Die Wachstumsraten waren damals hoch und mein Arbeitsplatz war sicher und unbefristet. Aber ich trug ein enges Korsett. Heute fehlt vielen Karrieren zwar die Sicherheit. Dafür gibt es eine vor vier Jahrzehnten noch undenkbare Freiheit. Genau hier liegt der Wandel, der in Gestalt eines Handels daherkommt: Tausche Sicherheit gegen Freiheit. Wie kann sich ein Young Professional optimal mit diesem Handel arrangieren? Er sollte Wünsche und Bedürfnisse darauf einstellen, dass ihm die Karriere weniger Sicherheit und schon bald wohl auch weniger Materielles bietet. Also sollte er seine Befriedigung in Bereichen suchen, die weniger oder gar nicht von materiellen Dingen abhängen. Zum Beispiel in der Kunst oder Architektur. In der offenen Natur oder in seinem Freundeskreis. Das Schöne ist: Der Mensch ist ein findiges Wesen. Er wird sich mit diesen Veränderungen arrangieren. Sehen Sie daher die Zukunft optimistisch? Unbedingt. Ich bin – trotz meiner wenig optimistischen Wachstumsprognosen – ein zukunftsfroher Mensch. Ich glaube, dass wir vor einer Periode stehen, in der Karriere gleichbedeutend mit individueller Entwicklung wird. Man ist mit 25 noch kein voll entfalteter Mensch. Auch mit 35 noch nicht. Anders als die Wirtschaft besitzt der Mensch also tatsächlich das Potenzial, als Individuum immer weiter zu wachsen. Und ich bin hoffnungsvoll, dass die berufliche Karriere ein wichtiger Baustein für diese persönliche Entfaltung werden wird. Nicht, weil sie dafür sorgt, dass ein größeres Auto vor der Tür steht. Sondern weil ich als Mitarbeiter im Unternehmen meiner Wahl Dinge bewegen kann, die mich zufriedenstellen.

Ein Glückspilz zu sein ist erlernbar

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Eva Wlodarek ist Psychologin und Autorin zahlreicher Bestseller. Sie promovierte über das Glück und war über 20 Jahre die beratende Psychologin bei der Brigitte. Als „eine der renommiertesten Psychologinnen Deutschlands“ (Cosmopolitan) ist sie heute in vielen Publikumsmedien eine gefragte Expertin zum Thema Lebenshilfe und berät namhafte Firmen. Das Gespräch führte Stefan Trees

Frau Wlodarek, ich bin mit dem ersten Regentropfen ins Büro gekommen – danach hat es fürchterlich angefangen zu regnen. Glück gehabt! Oder wie sehen Sie das? Vielleicht war es Zufall. Womöglich gehören Sie aber zu denen, die sich genau über die Wetterlage informieren und es dann zeitlich so einrichten, noch vor dem großen Regen im Büro einzutreffen. Dann hätten Sie dem Zufall ein Schnippchen geschlagen und das Glück vorbereitet. Erwischt, ich habe die Wettervorhersage gelesen. Das war offensichtlich nützlich. Ist Glück demnach eine Frage der Strategie? Zunächst gibt es einen Unterschied zwischen „Glück haben“ und „glücklich sein“. Tatsächlich haben wir Einfluss auf beides. Für das Herbeiführen glücklicher Umstände und das Empfinden von Glück auf der Gefühlsebene gibt es jedoch unterschiedliche Strategien. Das kann sich manchmal überschneiden: Wenn ich dafür sorge, dass ich viel Glück habe, bin ich wahrscheinlich auch glücklich. Es ist aber nicht unbedingt identisch.
Tango Vitale, Campus-VerlagTango Vitale Von Schicksalsschlägen und anderen glücklichen Umständen Campus 2012 ca. 224 Seiten 19,99 € ISBN 978-3-593-39253-0 [bsbutton size=“small“ style=“default“ icon=“icon-glass “ iconcolor=“white“ text=“Jetzt kaufen“ link=“http://www.campus.de/ratgeber/besser-leben/Tango+Vitale.99326.html“ target=“New page“]
Durch mein Verhalten kann ich das Glück im Außen begünstigen? Das ist richtig. Natürlich hat dies auch mit Ihrer inneren Einstellung zu tun. Der Psychologe Prof. Richard Wiseman aus London hat untersucht, was einen Glückspilz auszeichnet, und er hat bestimmte Eigenschaften gefunden. Sie haben alle Chancen ein Glückspilz zu werden, wenn Sie sich um diese Eigenschaften bemühen. Welche Eigenschaft ist die Wichtigste? Man sollte seine Zufallschancen maximieren, das bedeutet vor allen Dingen offen zu sein für Neues und für Kontakte. Das ist das Allerwichtigste. Sind Glückspilze beispielsweise auf Jobsuche, werden sie vielen Menschen erzählen, was sie suchen. Bekommen sie ein Jobangebot mäkeln sie nicht gleich daran herum in der Weise, „Ach nein, das ist ja doch nicht das was ich mir so vorgestellt habe“, sondern sie sagen sich: „Das ist noch nicht ganz das, was ich mir vorstelle, aber das kann es ja noch werden. ich probiere es mal.“ Sie geben dem Glück eine Chance. Das klingt wieder sehr strategisch … Warum auch nicht? Wenn Sie sich wundern, dass alle anderen immer Glück haben, die tollen Jobs bekommen, die Partner für´s Leben kennenlernen oder in den besten Urlaubshotels wohnen, dürfen Sie sich fragen, worin Sie sich unterscheiden. Und Sie können es sich von den anderen abgucken. Dann würden Sie sehen, dass Glückspilze offener sind, mehr auf ihre innere Stimme hören und dergleichen mehr. Warum sollten Sie dann nicht beschließen, das nachzuahmen? Benchmarking ist schließlich auch in der Wirtschaft ein gängiges Instrument. Glück wäre demnach eine Folge von Analyse und logischer Entscheidungen. Klingt sehr kopfgesteuert. Wir sollten die Glücks-Strategien nicht abwerten als reine Kopfgeschichte, denn das Verhalten wirkt sich natürlich auch auf das Gefühl aus: Sie werden optimistischer und haben Erfolgserlebnisse, die auf Sie zurückwirken. Ich bin vor diesem Hintergrund sehr für den Kopf. Alle Glücks-Faktoren scheine ich aber nicht beeinflussen zu können. Sie sprechen in Ihrem Buch von der Magie des Schicksals – was verstehen Sie darunter? Zum Schicksal gehören auch Dinge, die wir uns nicht immer erklären können, beispielsweise die Synchronizität: Ich wünsche mir etwas und plötzlich kommt es. Ich selbst habe erst kürzlich gedacht, dass ich gerne mal wieder nach Zürich reisen will. Ich bin schon so lange nicht mehr dort gewesen. Es dauerte keine Woche, als ich ein Angebot bekam, in Zürich einen Vortrag zu halten. Das sind die kleinen Wunder, über die wir uns freuen können. Was hilft mir nun aber in dem Bereich des Glücks, auf den ich Einfluss nehmen kann, die geeigneten Entscheidungen zu treffen und mich nicht zu verzetteln? Intuition. Sie ist ungeheuer wichtig für das Glück und viel mehr als das, was wir Bauchgefühl nennen. Wir haben in unserem Unterbewusstsein wesentlich mehr Wissen gespeichert, als uns bewusst zugänglich ist. Die Intuition ist die Form, die dieses Wissen hervorbringt. Sie ist sozusagen das Navigationssystem für das, was uns gut tut, ob bei der Wahl des geeigneten Berufs oder im täglichen Umgang mit anderen Menschen. Woran erkenne ich denn die Stimme meiner Intuition? Wir kennen das intuitive Gefühl: Dieses oder jenes sollten wir tun, obwohl eigentlich alles dagegen spricht. Dem nachzugeben ist in vielen Fällen sehr glücksfördernd, weil es mit unserem Wesen zu tun hat und dem Wissen darüber, wie wir wirklich sind, was unsere Talente und Neigungen sind. Die Intuition führt uns auf dem Weg. Deshalb hat sie so viel mit Glücksgefühlen und dem Glück haben zu tun. Den Weg des Glücks mit Intuition zu beschreiten ist ein Hinführen auf das, was Erfolg haben wird. Und über die Fähigkeiten hierzu verfügt jeder Mensch? Ja, absolut. Die Fähigkeit ein Glückspilz zu sein ist erlernbar.

Was ein Glück: Sommerpause

Liebe Leserinnen und Leser, ich gehe in die Sommerpause. Wer indes glaubt, ich ginge wochenlang auf Reisen, irrt: Für die karriereführer Summer-School gehe ich in den kommenden Wochen einer der ältesten Fragen der Menschheit nach: Was ist Glück? Lest mal rein!